Meine facebook-Freundin, Tänzerin und Lebenskünstlerin, Deva Bhusha Glöckner, hat in einem Beitrag interessante Gedanken zum Ego gepostet. Ich würde zu ihren Überlegungen gern noch etwas ergänzen.

Meine Art, diese Frage nach dem Ego zu beantworten, ist eine recht praktische. Ich spüre nämlich, wie das Ego immer dann zu einer unmittelbaren, nackten und schließlich auch leeren Erfahrung wird, wenn ich es überwinde. Ich nenne ein Beispiel, eine praktische Übung, die jederzeit durchführbar ist. Sie heißt: „Über-den-eigenen-Schatten-Springen“.

Schattenspringen Wolfgang Pfensig_pixelio.de

 

Wir wissen alle, wie das geht. Ich beachte meine Beleidigtheiten, meine Angst, meine Ungeduld, oder was immer es ist, einfach nicht mehr, trete aus ihrem Schatten, lass ihn einfach gehen, wie wenn ich ein Stück Papier fallen lasse, und springe in die Tat, die ich „wirklich“ und „eigentlich“, ohne die Einflüsterung oder das dröhnende Pochen des Ego, ohnehin am liebsten tue. Es ist gleichzeitig unendlich leicht, das zu tun, und es kostet sooooo viel Selbstüberwindung, dass wir manchmal sogar zu sterben meinen, wenn wir zu diesem Sprung ansetzen. Denn das Ego zu überwinden fühlt sich oft wie Sterben an, wie Vernichtung, oder wie eine Demütigung und Selbstverleugnung. Aber das sind nur Gefühle, es ist nicht die Wahrheit.

Ego,magicpen_pixelio.de

Dann, wenn ich mich gedemütigt fühle, beleidigt und geschlagen oder voller Angst, auch voller Hass und Wut: Dann ist die beste Zeit, die Praxis des Springens durchzuführen. Vorher muss ich allerdings anhalten. Ich muss still werden und die Neigung zu reagieren anhalten, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Meistens ist eine längere Ausdauer und Stille erforderlich. Je mehr ich übe, umso kürzer dauert die Besinnungszeit. Die Praxis der Egoüberwindung ist spirituelle Aktivität, vielleicht sogar die grundlegende spirituelle Aktivität überhaupt.

Wer ist diese Instanz, die höher ist als mein Ego und inzwischen auf „mich“, d.h. mein Ego, aufpasst? Denn diese höhere Instanz hat kein Interesse daran, das Ego auszulöschen oder zu töten. Es ist ja brauchbar, sonst wäre es in der Evolution nicht entstanden. Unsere Weiterentwicklung besteht nicht darin, kein Ego mehr zu haben, sondern ihm seine Dominanz zu nehmen.

Das Ego wird in der folgenden Bewusstseinsepoche der Menschheit sich ins zweite Glied stellen, d.h. zurücktreten zugunsten eines überlegenen, intelligenteren Wesensanteiles unserer selbst, der die Führung übernehmen wird. Vielleicht dauert das einige Jahrhunderte oder Jahrtausende, bis wiederum ein höherer Wesensanteil auch diesen in seiner Führungsmacht ablösen wird. So viel zur Evolution des Ego.

Fotos: Wolfgang Pfensig und magicpic, pixelio.de

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