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Liebe, von der ich spreche, kann nicht getötet werden:

Nur die Angst stirbt

Ich spanne meinen Bogen über die vielen Tode, die ich schon gestorben bin für die Liebe. Ich kann die Liebe nicht verlassen. Sie wird schöner, sie wird tiefer.

Ich spreche nicht vom Sterben, wo es als Todesgeschäft betrieben wird:

Global vernetzter Waffenhandel (an dem übrigens deutsche Firmen ganz vorne mitmischen);  Finanzgeschäfte, die den Völkermord tolerieren und sogar initiieren;  von Pharmakonzernen betriebene Impfkampagnen und der weltweite Verkauf genmodifizierter Medikamente, angefangen bei Antibiotika, die langfristig den menschlichen Körper verseuchen. Ich spreche auch nicht von der Todespolitik, die uns  tagtäglich schmackhaft gemacht und schamlos vorgeführt wird:  Politische Rechtfertigungen der grausamen Zeremonien des Todes, die rituell noch verstärkt werden durch die unsägliche Kriegspropaganda der Massenmedien. Abstoßend, ekelhaft.

Ich spreche nicht von der Angst vor angeblichen und tödlichen Viren, die durch unsere sexuellen Begegnungen aufeinander übertragen werden sollen, was absoluter Blödsinn ist. Ich spreche hier auch nicht von der ikonenhaften, passiven Verherrlichung des Foltertodes seitens der traditionellen christlichen Kirchen. Ich spreche nicht einmal vom natürlichen physischen Tod unseres Körpers.

So spreche ich auch nicht von den ungezählten Todesopfern, die dem unerbittlichen “Rosenkrieg” zwischen einstmals Liebenden geschuldet sind, Eifersuchtsmorde, seelische Grausamkeiten, die zu Krankheit und verfrühtem Tod führen.

Menschen scheinen sogar die Liebe selbst töten zu wollen. Aus Angst vor ihrer Größe und unendlichen Sanftheit verleugnen sie diese himmlische Macht, unterdrücken sie, oder geben sie resigniert auf.

Liebe, von der ich spreche, kann nicht getötet werden.

Etwas anderes allerdings wird sterben, etwas, das sich an die Liebe heftet und sie heimtückisch begleitet, wird sterben.  Sobald wir uns wirklich auf die Liebe einlassen, beginnt dieser Sterbensprozess ziemlich prompt.  Dieses Etwas sind die Vorstellungen, die illusionären Erwartungen, die Gier, die Emotionen, die auf Angst beruhen. “Nur die Angst stirbt”, heißt ein Buchtitel Barry Longs.

Das natürliche, göttliche Begehren, welches uns als Mann und Frau zueinander führt, ist unauslöschlich. Manche versuchen, dieses Begehren abzutöten: Vorsätzlicher Zölibat. Manche trennen sich von einem geliebten Menschen, anstatt sich von den mentalen Prägungen und emotionalen Mustern, die sie unfrei und unglücklich machen, zu trennen. Sie schütten das Kind weg statt des Badewassers. Verinnerliche dieses Bild und du wirst erleben, was für ein grandioser Irrtum sich da millionenfach abspielt, wenn Menschen sich trennen. „Ich liebe dich zwar, aber du erfüllst  nicht meine Erwartungen, deshalb muss ich mich wieder von dir zurückziehen“, so müsste es ehrlicherweise heißen.

Was geschieht mit uns, wenn wir all das gehen lassen, was die wahre Liebe behindert? Welche Phasen und Stufen des inneren Sterbens durchlaufen wir möglicherweise, wenn wir uns der letztlich unwiderstehlichen Macht der Liebe hingeben?

Ich beschreibe hier ein mögliches Szenario, naturgemäß eher aus meiner männlichen Sicht. So muss es nicht sein, aber so kann es sein. Und mancher Leser, manche Leserin, wird sich darin erkennen und finden.

Sterben beginnt schon beim Liebeswerben. Das Nicht-Erhört-Werden. Es sind Prüfungen. Schmerzhafte und gewaltige mitunter. Sterbensprüfungen. Auch wenn ich das hier nicht in seiner Dramatik ausmalen möchte. Wir kennen es alle. Es mag dieser bittersüße Schmerz sein, seit Menschengedenken poetisch in unendlich vielen Liedern und Gedichten verklärt.

Dann: Die tiefe Liebe. Ich tauche in diese sanfte, weiche, entzückende Welt der FRAU, weit, warm, umfassend, bergend.

Sie zeigt  mir anfangs  ihre  Zickigkeit  nicht. Dann, irgend wann, kommt sie zutage. Ich sterbe wiederum: Es war so schön, ich fühlte mich so angekommen in dieser Liebe, so geborgen, so weich, so liebend, so wahrhaftig. Muss das jetzt sein, dieser Stress! Warum?

Sterben: Hinausgeworfen-Werden aus dem Paradies.

Nächste Stufe: Ich nehme die Frau an mit all ihren Nöten, besänftige den kollektiven weiblichen Schmerzkörper. Das geht nicht gerade so eben für einen kurzen Moment, das ist eine lange Aufgabe, der ich mich widme. Und sie liebt mich dafür.  Sie liebt mich noch mehr.

Nun kommen meine Themen:  Selbsthader. Der Widerhall vergangener Schicksalsschläge. Tiefe, dunkle, bislang versteckte Aggression. Unruhe. Mein Schmerzkörper. SIE nimmt mich an, mit all dem. Sie versichert mir, dass sie meine Aufrichtigkeit liebt, mein Outing. Es wird immer schöner mit uns. Wir bestehen gemeinsam Prüfungen. Wir kreieren gemeinsame Projekte. Dann, als es am schönsten ist, verlässt sie mich. Ich weiß nicht, warum. Es macht keinen Sinn für mich, denn ich liebe sie, ich tu und tat ihr nichts Böses an, bin auch nicht rücksichtslos und es mangelt mir nicht an Aufmerksamkeit. Aber sie MUSS gehen, aus irgend einem inneren Grund oder Zwang heraus. Wiederum ein Sterben für mich. Für sie auch.

Heute: Ich spanne meinen Bogen über die vielen Tode, die ich schon gestorben bin für die Liebe. Ich kann die Liebe nicht verlassen. Sie wird schöner, tiefer. Egal, ob der wunderbare weibliche Körper, seine göttliche Energie, da ist oder nicht. Ich bleibe. Staying power. 

So ist der Weg der Liebe. Das Nicht-Verstehen und Annehmen ist ein wesentlicher Bestandteil davon. Ich kann nicht alles verstehen und muss es auch nicht. Das ist der Anfang: Das Nicht-Wissen. Dazu gehört ein Lebensmut, der schließlich zum Liebesmut wird. Koste es was es wolle. Ich liebe.  Ich bleibe dabei.

Das Sterben ist Transformation. Was es kostet, ist der höchste Genuss. Der Preis, den ich zu zahlen habe, ist der Preis, den ich gewinne.

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