Das Ego in der sexuellen Liebe zwischen Mann und Frau

Phallus_R_K_B_by_Maja Dumat_pixelio.de

In der sexuellen Liebe erleben wir – begünstigt durch den natürlichen, egofreien Instinkt der geschlechtlichen Anziehung – am ehesten die Auflösung eines separaten Egobewusstseins. Die Freuden, die wir, männliches und weibliches Individuum, gemeinsam erleben, heben uns ganz leicht und natürlich über alles Unterscheidbare, Trennende hinweg.

Ich weiß nicht mehr, bin ich es, der die Ekstase erlebt, bist du es, sind wir es gemeinsam? Selbst diese Frage beschäftigt uns nicht mehr. Wir sind es einfach. Wir fühlen uns leicht, beglückt, liebend, voll, erfüllt. Das Entzücken ist überwältigend. Wir befinden uns in einem höheren Daseins- und Bewusstseinszustand. Kein Ego stört dieses Sein.

Oder doch? Schleicht es sich nicht doch bald unbemerkt durch eine kleine Ritze von Achtlosigkeit herein? Fordert es nicht doch gewaltsam Bestätigung für sich selbst? Hat es sich nicht bereits wieder abgetrennt vom Gemeinsamen, vom Ominösen der Liebe? Will es nicht alsbald das geliebte Gegenüber besitzen und sich vergewissern, dass es verfügbar bleibt, und es kontrollieren? Will es nicht das Vergnügen aus Angst festhalten und fortsetzen?

Oder will es aus Angst fliehen? Das Ego findet genügend Gründe für das Eine oder Andere.

Aber die Liebe hat ihre eigenen Vorgänge. Es sind Geheimnisse, die der Verstand nicht austüfteln kann. Er hat keine Macht über sie, es sei denn, dass er sie bloß registriert und anerkennt. Liebe hat auch nichts mit den Gesetzen der Emotionen und Gefühle zu tun, dem Aufeinanderfolgen von Euphorie und Depression. Auch mit „emotionaler Intelligenz“ können wir das Ominöse der Liebe nicht begreifen. Das Ego kann also nirgends zupacken, um diese Geschehnisse als seine eigenen zu adaptieren. Denn Liebe ist für das Ego nicht greifbar. Es kann sich ihr nur ergeben. Dann ist höchster Genuss möglich.

Voneinander abhängig. Nichts für mich allein. Sexuell heißt, man ist tief abhängig voneinander. Wow, was für ein Segen …

Ein Drittes „regelt“ dann den Ablauf. Ich, das Ego, muss es loslassen.

Die unbeschreibliche Liebe nimmt die Sexualität an und macht sie zu ihrer göttlichen Angelegenheit. Nicht wahr?

 

 

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