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Jenny Wade, „Transcendent Sex – In der Sexualität eine höhere Wirklichkeit erfahren“ 

Aquamarin Verlag, ISBN 978-3-89427-676-8, 1.Auflage Deutsche Ausgabe 2014, 341 Seiten. (Amerikanische Originalfassung 2004). Mit einem Vorwort von Ken Wilber. Aus dem Englischen von Astrid Ogbeiwi.

91 Berichte von Menschen, denen ohne jegliche „tantrische“ Vorbereitung oder Erwartung, ohne Drogen, ohne Techniken, transzendenter Sex zuteil wurde, bilden den Kern dieses Buches.

54 Frauen und 37 Männer hat Dr. Jenny Wade, eine Entwicklungspsychologin, im Rahmen einer Studie befragt, nachdem ihr eigenes Sexleben durch mehrere mystische Erfahrungen sich grundlegend verändert hatte. Auch hatte niemand, so stellte sie fest, nach der Erfahrung von transzendentem Sex die Notwendigkeit verspürt, einen Kurs über Sexualtechniken zu besuchen.

Interessant finde ich, dass der Großteil der Männer dieser Studie über 50 Jahre alt waren, während Frauen jeglichen Alters darin zu finden sind. Ein Hinweis auf eine entsprechende „Entwicklungsverzögerung“ bei Männern?

Ken Wilber hat das Vorwort geschrieben. Dieses ist angesichts der Fülle der sprühend-lebendigen oder ruhig-tiefen Erfahrungsberichte durchaus vernachlässigbar. Das Buch umfasst Schilderungen von Gestaltwandel beim Sex (shape shifting), von kosmischen Reisen, Reinkarnationserfahrungen, Besessenheit durch Götter, der Begegnung mit dem „Dritten“, der Leere und Nirvana, oder über „Das Zerbrechen der Gefäße“. Diese Breite des transzendenten Spektrums menschlich-göttlicher Erfahrung kann bei der Lektüre manchmal überfordern, aber man muss ja nicht alles lesen. Das Buch ist ziemlich umfangreich und verliert auch nie den wissenschaftlichen Faden, was sogar gelegentlich ein wenig ermüdend sein kann.

„Ich rate niemandem zu transzendentem Sex“, sagt die Autorin und sie klammert auch nicht die dunklen Seiten dieser Erfahrung aus. Warnend ergänzt sie, dass bewusstseinserweiternde Erfahrungen beim Sex genauso auch zu ungesunden partnerschaftlichen Bindungen führen können, sie warnt vor Abhängigkeiten und Missbrauch. Denn keinesfalls bedeutet eine transzendente Erfahrung, dass auch die anderen Lebensbereiche dadurch automatisch in Ordnung kommen.

Ich bin sehr dankbar für dieses außerordentliche Buch. Endlich, möchte ich sagen, hat der tiefste Grund und die höchste Bestimmung der Sexualität als mystische Erfahrung eine so fundierte und authentische Fürsprache erhalten. Es ist außerdem sehr gut übersetzt.

Wenn ich mit ihr zusammen bin, dann geht das über ein Gefühl des Verschmelzens hinaus … Es passiert nur, wenn ich diese eine Frau liebe. Sich so zu lieben, ist nicht nur als ob man zu Gott betet, sondern wie eine bodenlose Hingabe an das Unendliche. Es ist das vollkommenste Gefühl, das ich mir vorstellen kann, eine Ekstase, durch und durch von Freude, von Verzückung erfüllt … Ich weiß nicht, warum sie der Kanal ist… Es ist, als ginge ich durch sie auf etwas zu, das jenseits von ihr liegt und auch jenseits von mir … In jenem Zustand werden Körper unwichtig, und in gewisser Weise sogar sie, muss ich beschämt gestehen…“   Blake

„Es ist ein Ort wahrer Glückseligkeit, ein so warmes und wohliges Gefühl, dass ich diese Momente für einen wahrhaft erleuchteten Zustand halte, aus dem ich mit dem Gefühl des Wohlbefindens und Geerdetseins zurückkehre. Alles ist vollkommen und friedlich. Und es gibt keine Türen und keine Jahre, nichts als den Moment und den Ort, an dem du dich befindest. Mit der Welt ist alles gut, und ich ruhe darin.“  Lucy

„Vielleicht fing alles mit diesem Gefühl der Auflösung an, doch dann waren wir beide nicht mehr zwei, aber auch nicht bloß eine Verschmelzung von zweien. Wir waren in einer größeren Einheit. Und dann trat auch da eine Auflösung ein. Wir wurden aufgelöst in jenem Größeren, das in allem eingeschlossen ist, und die Grenzen zum Größeren lösen sich auf oder verschwanden, und daher entstand das Gefühl, es sei ein Ganzes. Wir waren das Ganze.“  Ann

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