Tödliche Feinde im Land des Tondro.

Ein modernes Märchen.

Gesammelt und aufgezeichnet von Bruder Grimmo

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Es war einmal in einer Zeit, als eine neue Morgenröte von Freiheit und Liebe bereits am fernen Horizont aufleuchtete und immer mehr Menschen spürten, wie Mut und Klarheit unaufhaltsam in ihren Herzen wuchsen.

Es tobte aber noch ein Kampf der alten, vernebelnden Mächte gegen dieses neue Erwachen. Die Religion, der die Menschen dieser unglücklichen alten Zeit folgen mussten, nannte sich Wissenschaft und sie war inzwischen durch entstellte Wahrnehmungen so dekadent geworden, dass man von unsichtbar kleinen feindseligen Teufeln sprach, die im menschlichen Körper heranwuchsen, sich ausbreiteten und ihn töten würden. Den Priestern der Wissenschaftsreligion gefiel dies, denn sie hielten ja gleichzeitig die erlösenden Substanzen bereit, die die verängstigten Menschen heilen sollten.

In jener Zeit, von der unsere Geschichte handelt, gab es fortschrittliche Menschen, die sich sogenannten spirituellen Übungsgruppen anschlossen und die man – in Erinnerung an antike Praktiken – Tondro nannte. Tondro-Praktizierende besannen sich der ewigen Liebe zwischen den Geschlechtern und sie nannten ihre Götter Shavi und Shikta.

In einer großen, weltbekannten Stadt gab es die berühmte Grüß-Gott-Schule, die eine Reihe von attraktiven Angeboten für Tondro-Praktizierende feilbot. Es waren geschickte Lehrer am Werk, die ihr Handwerk und Geschäft verstanden. Ihre Schüler genossen viele Freiheiten, die es sonst in der Welt selten gab. Aber eine Bedingung wurde aufgestellt, und die durfte um keinen Preis ignoriert werden. Man musste – wollte man in die prächtigen Genüsse der liebeserotischen Begegnungen kommen – sogenannte Candane benutzen, das waren künstliche Häute, die man sich über die natürliche Haut ziehen musste. Man meinte, damit die gefährlichen, kleinsten Feinde des Menschen und seiner Gesundheit fernhalten zu können, die man damals Viren nannte. Dies wurde als spirituelle Pflicht der Achtsamkeit bezeichnet. Wer sich diesen Ritualen nicht unterwarf, wurde als verantwortungslos, unsozial und sogar als kriminell diffamiert, denn er würde das Leben der anderen Menschen gefährden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Zertifikaten wurden verlangt, Hygienemaßnahmen wurden verstärkt.

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Es ging aber nicht nur darum. Auch der Ruf der „Grüß-Gott-Schule“ stand auf dem Spiel. Die Leiter wollten nicht als „Seuchenschleuder“ verschrien werden von der alten Gesellschaft, in der sie mit ihren Überzeugungen noch tief verwurzelt waren.

Statt Spiritualität war nun aber auch Kommerzialität plötzlich augenscheinlich geworden. Und statt Freiheit zeichneten sich in den Betreffenden Strukturen ab, die manche sehr kritische, revolutionäre Geister jener Zeit sogar als „fischastische Denkmuster“ bezeichneten. Denn in jener Zeit sah man es nicht als verwerflich an, dass Menschen unterschiedliche Sichtweisen hatten. Sobald aber eine sich über die anderen erhob und mit angstmachenden Parolen ihren unbedingten Wahrheitsanspruch hochhielt, erhob sich unter den Menschen Widerstand. Dogmen, die als unwidersprechlich galten, wirkten merkwürdig deplaciert. Der alte Teufelsglaube war ja auf die Viren übergesprungen. Wer dies nicht glaubte, wurde mit wissenschaftlichen Tafeln und Lehrreden indoktriniert.

Kurzum: In der „Grüß-Gott-Schule“ waren auch Denunzianten willkommen, die Verfehlungen anderer Tondro-Praktizierender aufzeigten und in heimlichen Nacht-und-Nebel-Aktionen weitergaben. Und es gab auch viele, die wegguckten, wenn Unrecht geschah. Brot und Spiele winkten, und wenn man nicht die Regeln akzeptierte, durfte man nicht mitspielen.

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Diejenigen Schüler, die sich der neuen und gleichermaßen alten Dogmatik nicht unterwerfen wollten, wurden „gedisst“, wie es neusprachlich hieß. Oder sie wurden wie kleine Kinder gelobt, als sie ihre Folgsamkeit wieder unter Beweis gestellt hatten.

Aber das Rad war bereits ins Rollen gekommen. Die gedemütigten Kinder beschlossen nun, im Geheimen die neu und verschärft formulierten Vorschriften zu unterlaufen, wann immer es ging. Subversiver Widerstand kündigte sich an.

Was war nun zu tun, fragten sich die Leiter und Lehrer. Mit einigen wegwischenden und lächerlich machenden Bemerkungen versuchte man zunächst, das Volk gegen die Aufwiegler wieder auf ihre Seite zu bringen. Oder sollte man nicht zu massiveren Maßnahmen greifen?

Wie auch immer dieses Märchen ausgeht: Die Morgenröte von Liebe und Freiheit wird erleuchten, was noch im Dunkel liegt. Die erwachenden Menschen werden erkennen, was sie wirklich krank gemacht hat und sie werden erleben, wie ihr besetzter Geist sich befreit und die alten Besatzer der Gedankenkontrolle abstreift, Schicht für Schicht.

Und weil sie nie gestorben sind, so leben sie auch heute.

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