Natürlich findet eine wachsende Islamisierung Europas statt. Nur jemand, der aus ideologischen Gründen nicht beobachten und denken mag, kann das leugnen. Das hat damit zu tun, dass durch den Niedergang der kirchlich-christlichen Kultur gegenwärtig ein religiöses Vakuum entsteht, das nun vom islamischen Glauben aufgefüllt wird. Es wird sicher niemand sagen können, es finde eine Christianisierung des Abendlandes statt.

Die Frage ist nicht, ob das Fakt ist, sondern wie jeder Einzelne diese Tatsache beurteilt. Man kann sie fürchten, man kann dagegen sein, man kann sich freuen darüber, es zulassen, unterstützen und weiterhin fördern. Man kann fatalistisch mit den Achseln zucken und sagen, dass es nichts zu sagen und nichts zu bewirken gibt. Es sei doch eh alles egal. Manche meinen aber, dass der Islam in Europa seine Chance bekommt, eine Reformation durchzumachen wie einst das Christentum nach dem Mittelalter. Man solle ihm diese Chance geben und dafür würde Europa genügend Rückgrat und geistige Kraft haben, diese Auseinandersetzung bei sich stattfinden zu lassen: Freundschaftlicher Gastgeber sozusagen für einen freiheitlichen Umwandlungsprozess einer fremden Kultur, die dann bald nicht mehr fremde Kultur, sondern eigene Kultur wird.

Die Frage kann nun weiter gehen: Brauchen wir überhaupt noch Religionen? Viele von uns kennen „Imagine“, den Song von John Lennon. Darin besingt er seine Vorstellung einer friedlichen Welt, unter anderem einer Welt ohne Religionen.

Entweder verliert der Mensch gänzlich das Bewusstsein seiner spirituellen Realität, wenn die Religionen verschwinden, oder wird er sich im Gegenteil seiner spirituellen Kräfte bewusst, je mehr er sich von den Regeln der alten Religionen löst. So dass das spirituelle Vakuum, das in der ganzen Welt durch den Verfall der Religionen entsteht, durch eine neue, freie, von Liebe und Wahrheit getragene Spiritualität gefüllt werden wird.

Aber wir spüren die unheimliche Gefahr, dass der Sog, der das Vakuum füllt, einen abgrundtiefen Fall in die Materie bedeutet. Mit sich bringt der extreme Materialismus die neue Religion eines zur Maschine gewordenen Menschen, den Transhumanismus. Die schleichende elektronische Roboterisierung des Menschen ist die grausame Bedrohung der Freiheit, die sich der Mensch in seiner langen Evolution errungen hat, besonders aber in den letzten Jahrhunderten der abendländischen Kulturentwicklung.

Sollten ein erstarktes Judentum und ein vitaler Islam als die einzigen Religionen übrigbleiben, die in der westlichen Welt noch Zuspruch und Bedeutung erhalten, so werden möglicherweise bald viele Menschen darüber glücklich sein. Denn die bestialische Version der Auslöschung des natürlichen Menschen wird bald viel Entsetzen bewirken in jenen, die diese Entwicklung im Transhumanismus rechtzeitig erkennen.

So wird sich ein dialektischer Kampf ergeben zwischen dem überlebten Alten (den Religionen) und dem Neuen, der rasanten technologischen Denaturierung des Menschenkörpers und seiner Seele. Dazwischen, in der Mitte, wird sich der seiner freien Spiritualität bewusste Mensch noch finden können. Wenn er denn seine letzte Chance ergreift. Die Chance ist jetzt. Und der Mensch, der sie ergreifen kann, bist du.

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