The Shi´a Today02

Die langfristige Umgestaltung des Nahen Osten: Iran und Saudi-Arabien

Seit zwei Jahren führen der Iran und die USA geheime bilaterale Verhandlungen. Durch deren erfolgreichen Verlauf ermutigt, kam es nun zu den multilateralen Gesprächen und Vereinbarungen von Lausanne. Das von Israel (=Netanjahu) entworfene Bedrohungsszenario („Iran baut Atomwaffen und setzt sie gegen uns ein!“) konnte dadurch ein wenig besänftigt werden. Iran soll wieder in die „Weltgemeinschaft der Guten“ aufgenommen werden, sehr zum Missfallen von Israel (=Netanjahu).

Worum es bei diesem Schachzug der Amerikaner geht, könnte bald deutlich werden, vielleicht sogar schon in diesen Zeilen hier.

Iran hat seit der Islamischen Revolution nicht mehr offensiv nach Atomwaffen gestrebt. Seit der Erklärung des Revolutionsführers Ayatollah Khomeini, dass Atomwaffen unislamisch wären, was später durch eine Fatwa (=etwas Ähnliches wie ein religiöses Dogma) des Nachfolgers Chamenei bekräftigt wurde, äußern sich iranische Politiker immer wieder in diesem Sinne. Nur: Es haben ihnen viele nicht geglaubt. Israel hingegen hat niemals irgendeine Erklärung abgegeben zur Existenz seines eigenen Atomwaffenarsenals. Jeder weiß es, nur wird nicht darüber gesprochen.

Es stecken drei bis vier größere geopolitische Bewegungen der USA hinter diesen Abkommen, die nun in Lausanne in die Wege geleitet wurden. Diese sind:

  1. Eine inneramerikanische „Befreiungsbewegung“ von Militär- und Pentagonkreisen ist entschlossen, sich aus dem Würge- und Erpressungsgriff Israels zu befreien. Man hat keine Lust mehr, Kriege im Namen und Auftrag Israels zu führen. Man erkennt auch die Federführung Israels, Netanjahus und des Mossad bei den Terroranschlägen vom 11.September 2001.
  2. Es gibt klare Richtlinien, wie die USA die Neugestaltung der Levante und der Golfstaaten voranbringen will.
  3. Durch die Einbindung Irans in diese Pläne soll auch gleichzeitig Russland geschwächt werden, dem einst eine tragende Rolle in dieser Region in Aussicht gestellt wurde.
  4. Die USA wollen ihre Streitkräfte allmählich aus dem Mittleren Osten abziehen und an eine neue, langfristig zu besetzende Front verlagern: Vor den Toren Chinas. Die USA arbeiten zurzeit an einer „Trans-Pazifischen Partnerschaft“, was so viel bedeutet wie eine Vormachtstellung in diesem Bereich zu erobern. „Schon jetzt plant das Pentagon, die größte Militärbasis der Welt im Sultanat Brunei (Insel Borneo) zu bauen. Für Peking bedeutet das jetzt ein Wettrennen, um seine Armee auf gleiche Augenhöhe zu bringen. China muss bereit sein, dem amerikanischen Imperium zu begegnen, bevor es imstande ist, China anzugreifen.“ Thierry Meyssan.

Diese vier Gesichtspunkte sind es, die uns verstehen lassen, warum beispielsweise im Jemen Krieg geführt wird. Es sind nicht – oder nur ganz untergeordnet – Konflikte zwischen der schiitischen und der sunnitischen Bevölkerung. Es ist kein Religionskrieg. Es geht um einen Aufteilungskampf um Einflusssphären zwischen Saudi-Arabien (samt Al Kaida), welches von Israel unterstützt wird, und Iran, welches nun von den USA hofiert wird. Hinter den Kulissen stellen sich also die USA bereits gegen Israel, auch wenn vordergründig noch eine US-Allianz mit den Saudis und anderen arabischen Staaten aufrecht erhalten wird. Um diesen Widerspruch zu verstehen, müssen wir betrachten, wie nach den geostrategischen Vorstellungen der Globalisierungsanführer die Levante und die Golfstaaten neu geordnet werden sollen.

Nach diesen Vorstellungen soll der Iran seinen Schutz über Palästina, Libanon, Syrien, Irak und Bahrain ausbreiten dürfen, während der andere Bereich des Mittleren Ostens, Saudi-Arabiens und Nordafrikas, den Herrschern in Riad zufallen sollte, die nun ein arabisch-militärisches Bündnis zu organisieren beginnen.

Israel wird sich mit diesem Bündnis arrangieren müssen, wenn es seinen Status als Regionalmacht erhalten möchte. Die USA werden nicht mehr einseitig als bedingungslose Erfüllungsgehilfen einer Groß-Israel-Expansion zur Verfügung stehen.

Diese hier von mir zusammengefassten Gedanken hat ein intelligenter Denker und Aufklärer, der Franzose Thierry Meyssan, detailliert beschrieben auf seiner Seite www.voltairenet.org . Seine privilegierten Einblicke in die Vorgänge im Nahen Osten sind in der Regel ungemein erhellend. Der Artikel, auf den ich mich hier beziehe, lautet: „Was Sie nicht über die US-Iranischen Abkommen wissen“.

Advertisements