Tantrabild1

Sex verheißt Erlösung von allen menschlichen Konflikten und Sex führt zu den größten menschlichen Konflikten.

Im Sex offenbart sich die Agonie – der Todes- und Überlebenskampf – des menschlichen Daseins. Und weil das so ist, brauchen wir Schutz und Intimität. Des Thema des Strebens nach Erlösung, nach Befreiung, ist deshalb so schamhaft besetzt, weil wir dem Liebespartner unsere tiefe Bedürftigkeit zeigen. Wir vertrauen ihm unsere innerste Verletzlichkeit an, aber auch unsere Animalität, unsere Lebensangst und unsere Aggressivität.

Wir sehnen uns nach Erlösung. Wir treiben die Lust auf den Höhepunkt. Und ist er erreicht, so dauert der Friede eine Weile – und dann fängt der Kampf wieder von vorne an.

Subtil zeigt sich der Befreiungskampf auch im Bestreben, einen Partner zu gewinnen, im Kampf um die Erhaltung unseres Besitzes und um seine „Treue“. Auf allen Ebenen ist das zu beobachten. Selbst im – meistens unbewusst ablaufenden – Kampf um den Orgasmus sehen wir diese Agonie sich fortsetzen. Wenn zum Beispiel Kinder überraschend und unbeabsichtigt Zeuge eines Geschlechtsaktes werden, finden sie es meistens bedrohlich und meinen, hier fände eine Art von Vergewaltigung statt.

Und wenn wir enttäuscht sind von dem Menschen, dem wir so viel gezeigt haben von unserer Hoffnung und Erwartung, dem wir uns anvertraut haben, dann beginnt ein Reigen von Vorwürfen, von Selbstvorwürfen, ein Rückzug, ein Sichverschließen und auch gelegentlich Hass und ein Vergeltungswunsch.

Manchmal aber scheint durch die Agonie des menschlich-sexuellen Kampfes das Licht und der Friede des Paradieses hindurch. Nun stellen wir fest, dass wir da sind, wo wir immer hin wollten. Wir wollen nicht mehr weg aus diesem Paradies.

Das ist die Größe, Zartheit und Erhabenheit und unendliche Schönheit, zu der uns Sex führt. Sex wird nun ein Seinszustand, ein Zustand von Liebe, Kraft und göttlicher Sicherheit. Das Sein zusammen. Was immer wir tun zusammen, ist Glückseligkeit. Wir schlendern Hand in Hand durch die Welt, wir liegen unterm blühenden Apfelbaum, und wir spüren die befreiende Kraft der sexuellen Leidenschaft – weit entfernt vom alten Todes- und Überlebenskampf. Alles ist gut. Nichts mehr fehlt.

Sex ist zu einem freien, gegenseitigen Geben und Schenken geworden. Und wenn hier – in dieser freien Welt – die sexuelle Polyamorie beginnt, kann sie nur Freude und klärende, erfrischende Bewusstseinserweiterung hervorbringen. Dann schenke ich jedem sexuellen Liebespartner das, was aus meiner Tiefe kommt, aus reiner Freude, und ich bin so akurat und achtsam und liebevoll in meiner Einstimmung auf mein menschliches Gegenüber, dass ich ihm nichts aufzwänge, dass ich seine innersten Bedürfnisse erfassen möchte und ihn glücklich sehen möchte. Nichts anderes könnte mich erfüllen.

Tauchen Eifersucht und Vergleich in einem von uns auf, so haben sie keine große Wahrscheinlichkeit, sich weiter auszubreiten und die Liebe zu verderben. Wir führen uns gegenseitig zurück, falls einer von uns verloren geht im alten Machtkampf aus Angst und Scham.

Die sexuelle Liebe wird zu einem spirituellen Abenteuerweg, zu einem Weg der Selbstentdeckung und Offenbarung unserer göttlichen Natur. Was könnte uns schneller und besser dahin führen als ein freies Leben der Polyamorie? Sie ist ohnehin eine Tatsache unseres Herzens und unseres Körpers. Und selbst wir eine Weile monogam sein wollen, aus den Bedürfnissen des Herzens und des Körpers, so steht dies nicht im Widerspruch zu unserer eingeborenen Polyamorie. Überlassen wir die Entscheidung darüber nicht unserem ideologisierenden Verstand, sondern der Liebe selber, die frei dorthin fließt, wohin sie möchte.

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