Überwachung beginnt im Schlafzimmer

auf der lauer

Nein nein, ich meine nicht, dass der Eine auf der Lauer liegt, um mitzubekommen, wann der Andere von seiner nächtlichen Lustexpedition nach Hause kommt und sofort gestellt werden kann, oder so …  Nicht um diese Form von Überwachung geht es hier.

????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????In meinem Schlafzimmer an der Decke blinkt jede Minute ein rotes Licht. Nicht, dass ich das freiwillig dort angebracht hätte. Ich lebe in Baden-Württemberg und in diesem deutschen Bundesland ist es Gesetz, dass jedes Zimmer einer Wohnung, mit Ausnahme von Toilette und Küche, einen Rauchmelder installiert haben muss. Zur Sicherheit. Also kam mein Vermieter vorbei und klebte diese Dinger an die Decke.

Neulich fuhr ich im Bus. Ich hatte mein Handy dabei und wollte mir während der Fahrt Bilder anschauen. Niemand saß neben oder hinter mir. Aber eine Videokamera, über den letzten Sitzreihen angebracht, lugte direkt auf die Bildfläche meines Mobiltelefons. Ok, ich kann hier also nicht unbeobachtet meine Fotos durchschauen.

ueberwachung

Das Auto, das ich neulich lenkte, ließ mich nicht unbelästigt von Piepstönen losfahren, bevor ich mich nicht am Sitz anschnallte.

„Sie fahren 45 km/h“, leuchtet mir am Ortseingang eine Warnanlage entgegen. Oh, hab ich gar nicht gewusst! Hätte ich aber wissen sollen, laut Behörde. Der ständige Blick auf das Armaturenbrett! Nun gut, an die Geschwindungsüberwachung per Radar haben wir uns seit Jahrzehnten schon gewöhnt. Gern zahlen wir inzwischen unsere Bußgelder als Verkehrssünder.

Die Ampel am Fußgängerüberweg zeigt Rot. Selbstverständlich bleibe ich stehen, obwohl weit und breit kein Auto zu sehen ist. Ich könnte ja weniger achtsame Menschen als mich durch falsche Beispielgebung zu einem gefährlichen Delikt verführen, so denkt der programmierte Zensor im Inneren.

Fahren wir auf der Autobahn, so gibt uns alle paar Kilometer eine riesige Anzeigentafel an, wie schnell wir heute um diese Zeit auf diesem kurzen Streckenabschnitt maximal fahren dürfen. Und dann die nächste Anzeige, und dann die nächste …

Bei meinem Arztbesuch lege ich die „Gesundheitskarte“ vor. Durch einfaches Hineinstecken weiß die Arzthelferin sofort, wann ich bei welchem Arzt war. Vermutlich wird bald auch darauf ersichtlich sein, welche Krankheit und welche Medikamente mir zugeschrieben wurden.

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Am Flughafen muss ich meinen Reisepass mit biometrischem Foto an ein Gerät halten, das dieses Foto mit meinem Gesicht vergleicht. Weil ich verärgert meine Mundwinkel nach unten hängen habe, erkennt das Gerät mein Gesicht nicht. Das selbe wäre passiert, wenn ich gelacht hätte. Oder meinen Kopf ein wenig schief gehalten hätte. Aber mit einem „neutralen“ Gesichtsausdruck bin ich erkennbar.

Du siehst, ich könnte weiter und weiter aufzählen, wie weit sich Überwachung bereits unsere Toleranz erschlichen hat, unser Leben regelt und uns mit sanfter Macht kontrolliert oder auch mal mit der Wucht des Strafgesetzes trifft. Wir haben uns daran gewöhnt und sollen uns noch viel weiter daran gewöhnen. Der Fantasie der Überwacher und Kontrolleure sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um DIE SICHERHEIT geht. Und wir lassen es über uns ergehen. Vermutlich deshalb, weil in jedem von uns so ein geheimer mieser kleiner Überwacher sitzt, der mit dem Wort Vertrauen sofort Missbrauch, Seuche und Verbrechen assoziert. Von FREIHEIT ganz zu schweigen.

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