wurzel und flügel

Wenn du dir ein wenig Zeit zum Nachdenken nehmen willst, um meine spirituelle Sicht auf die Hintergründe dieses elementaren Schismas in der menschlichen Seele nachzuvollziehen, hier ist sie, in vier kurzen Kapiteln entwickelt.

Denn angesichts der gegenwärtigen Migrationskrise erhebt die alte Spaltung in politisch rechtes und politisch linkes Denken ihr hässliches Haupt, welches von innen her die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Liebe sabotieren will. Dieses alte Denken ist gerade dabei, den öffentlichen Frieden ganz massiv zu zerstören. Menschen werden als rechte „Fremdenfeinde“ abgekanzelt, obwohl sie sich selbst als solche gar nicht sehen. Andere wiederum werden als linke „Gutmenschen“ verspottet. So darf es nicht weitergehen.

Die Linke glaubt, von der inneren Logik ihrer Ideologie her, die Nationalstaaten in einer Art Internationalismus, Kommunismus oder Globalismus auflösen zu müssen, letztlich auch die Völker. Die Rechte hingegen setzt auf nationale Autonomie, auf die sozialen Werte der Familie und der aus ihr hervorgehenden Sozialordnungen.

I:  Der aufsteigende und der absteigende genetische Strom

Die kleinste soziale Einheit ist das Paar. Einen Mann zieht es zu einer Frau. Sie wollen zusammenbleiben. Kinder werden geboren, eine Familie gründet sich. Die erste soziale Einheit ist gewachsen.
Verwandte Familien bilden zusammen eine Sippe. Aus mehreren Sippen besteht der Stamm.
Mehrere Stämme, die sich zusammengehörig empfinden, bilden ein Volk.
Eine Rasse schließlich besteht aus Völkern, die sich auf eine gleiche genetische Herkunft berufen können.

Da dieses Verständnis eines Sozialaufbaues von unten her –  also von der kleinsten Einheit ausgehend (beispielsweise Adam und Eva) und sich zu immer größeren sozialen Verbänden vermehrend –  nicht erklären kann, woher denn dann die zunehmenden Differenzierungen unter den Menschen kommen, müssen wir dem eine andere Richtung entgegen setzen. Wir würden ja sonst in einer Art Inzucht verkommen. Um das „Blut“ frisch zu halten, braucht es Vermengungen mit anderen Stämmen, Völkern und Rassen. Woher diese aber gekommen sein sollen, wenn es nur ein „Gründungspaar“, nämlich Adam und Eva, gegeben haben soll, bleibt unerklärlich.

Dem aufwärtsströmenden genetischen Verlauf „von unten“ muss „von oben“ her etwas entgegen kommen. Es muss also auch einen Abstieg geben, eine Bewegung vom Geistigen zum Körperlichen. Wir stellen die Frage, ob es göttlich-schöpferische Mächte gibt, die dem genetischen Strom hier auf Erden Impulse geben, so dass er sich in verschiedene Richtungen entwickeln kann. Diese könnte man göttliche Archetypen bezeichnen. Sie werden auch als Götter oder Engel bezeichnet.

Es ergibt sich nun das Bild einer Vereinigung zwischen bewussten geistigen Impulsen (von „oben“) und den instinktiven Vorgängen in der Vererbungslinie (von „unten“). Das hat eine Ähnlichkeit mit der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau. So wird es nun verständlich, dass in alten Mythologien –  übrigens auch in der neuen Alien- und UFO-Forschung – Götter sich mit Menschen vereinigt haben und neue Rassen und Völker gegründet haben.

Diese Begegnung von Himmel und Erde findet aber auch bei jedem einzelnen Menschen statt. Denn dass jeder Mensch, der geboren wird, aus der geistigen Welt Götterbotschaften und neue göttliche Qualitäten auf die Erde mitbringt, können nur eingeschworene Materialisten leugnen. Das sind jene, die tatsächlich glauben, dass alles Leben und der Geist aus der Materie entstehen.

II:  Wie politisch Rechts und Links entsteht

Ausgehend von dieser Himmel-Erde-Polarität entsteht nun unter uns Menschen auch eine ähnliche Polarität. Wir treffen auf zwei grundsätzliche Haltungen (Gesinnungen) bei uns Zeitgenossen: Jene, die eher an der materiellen, genetischen Basis festhalten, und jene, die sich zu den „Göttern“ zählen und mit der Genetik nach Belieben herumspielen.

Links Rechts Gesicht

Dieser zweiten Gruppe –  so sie sich klar zu ihren Absichten und Gesinnungen bekennt –  geht es letztlich um die Abschaffung jedweder genetischer Verbindlichkeit. Sie  beginnen also das, was wir als natürlich empfinden, in Frage zu stellen. Sie lehnen die Familie als natürliche und verbindliche Grundlage der Sozialgestaltungen ab. Sie gehen sogar weiter zurück und relativieren die natürliche geschlechtliche Anziehung zwischen Mann und Frau. Homosexualität wird der Normalfall. Im Extremfall kommt es vor, dass selbst der Unterschied zwischen Menschen und Tieren weglegalisiert werden soll und Tiere die selben Rechte wie Menschen bekommen sollen. Das könnte sogar ein kämpferisches und radikales Motiv der „veganen Bewegung“ werden. Selbstverständlich stoßen die Begriffe Sippe, Stamm, Volk und Rasse auf vehementen Widerstand jener „Götterfraktion“ unter uns, die ja durchaus von einer wahren Inspiration geleitet sind, aber in ihrer Einseitigkeit nun einen Gesinnungsterror in der Welt verbreiten, für den der Begriff Ideologie nur eine harmlose Umschreibung ist.

Aus einer Gesinnung entsteht eine Ideologie. Das sind Überzeugungen, die sich zu einer einzigen Speerspitze zusammenziehen, zu einer Kriegswaffe des Geistes sozusagen. Mit ideologischer Waffe wurden und werden letztlich fast alle Kriege geführt. Oftmals werden Ideologien sogar nur als Rechtfertigung eingesetzt, um handfeste Überlebens- und Wirtschaftspolititk kriegerisch durchzusetzen. Wenn ein Präsident zu einem Krieg für „Freiheit und Demokratie“ aufruft, haben wir das beste Beispiel dafür. Denn die Begriffe Freiheit und Demokratie werden ideologisch geschärft und sind nun zur Waffe geworden.

Jede Ideologie braucht immer ein polares Gegenstück. So ist es einleuchtend, dass die Ideologen der „Grenzauflösungen“ von Staaten, Völkern, Nationen, Religionen, Familienverbänden, der Mann-Frau-Einheit (ich finde den Begriff Ehe nicht mehr angemessen) heftigen Widerstand hervorrufen. Die andere Fraktion antwortet.

Die Menschen der anderen Fraktion verstehen sich als Bewahrer der Heimat. Sie verteidigen das Stück Erde, auf dem sie leben und das sie kultiviert haben. Sie spüren eine Verantwortung dafür, dass das Erarbeitete an die Nachkommen oder an Würdige weitergegeben werden kann. Heimat ist nicht nur das Stück Erde, auf dem der Einzelne mit seiner Familie oder seinem Volk lebt, sondern auch die Kultur, die es hervorgebracht hat. Die Liebhaber der Heimat schützen die Kultur ihres Volkes. Das ist in erster Linie die Sprache, die verbindend und Einheit schaffend wirkt. Immer wieder wird der Wert der Sprache betont als Leitmedium der Kultur. Auch das Handwerk, das Geschick eines Volkes, die Musik, die Baukunst, die Religion(en), die akademische Forschung, die Feste, die rituellen Gewohnheiten, die Tänze und sogar die gemeinsamen Konstitutionsmerkmale der Leiber einer Familie, eines Stammes und eines Volkes: Das sind die Werte einer Kultur. Sie werden als Tradition überliefert.

Oft wird gesagt, sie seien „identitätsstiftend“. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Denn meine Identität habe ich nicht durch eine Rasse, ein Volk, ein Land, meine Familie, ja nicht einmal durch meine Tradition, meine Gewohnheiten und Gebräuche, nicht durch das, was ich an Kleidung anziehe, nicht durch die Mode, die ich annehme, nicht einmal durch meine Gedanken, die ohnehin kollektiver Steuerung unterliegen, nicht einmal durch meine Gefühle, die längst aufgegeben haben, feine Sensoren der Wahrheit zu sein.
Sie alle sind Gewänder, Hüllen, erweiterte Körper, die sich um mein Selbst legen, aber nicht der Kern, das Herz sind.

III:  Rechts und Links als Ordnung und Unordnung, Recht und Freiheit
Manche, die aus der „Götterfraktion“ stammen, nehmen Partei dafür, dass wir so viel wie möglich von den trennenden Traditionen ablegen und uns in einem Ideal von Weltbürgertum treffen, einer spirituellen Globalisierung. Internationalismus, Kommunismus, auch globaler Kapitalismus, das sind die Begriffe dafür. Daraus werden politisch die Linken.
Und die Anderen, die Bewahrer der geliebten Formen, werden die Rechten.

Die Einen neigen dazu, Deutschland zu hassen, die Anderen „lieben“ es. Die Einen beschimpfen die Anderen Nationalisten, die Anderen beschimpfen die Einen als Verräter der Heimat. Natürlich spitze ich mit dieser Darstellung zu. Denn nur wenige radikalisieren sich in der beschriebenen Form und werden zu politischen Extremisten. Ich will hier bloß die Tendenzen aufzeigen, die sich herleiten lassen aus einer elementaren spirituellen Spaltung, einem Schisma.

Rechts kommt vom Begriff  „richtig“ oder „Recht“, einem Ordnungsbegriff. Gerechtigkeit soll bei Menschen mit dieser Gesinnung in einem geordneten Rechtsstaat verwirklicht werden. Traditionsbewusst werden die gewachsenen Gewohnheiten und Rituale einer Kultur als Grundlage für ein stabiles Staatswesen angesehen.

Links hingegen baut eine Opposition dagegen auf. Es ist erneuernd, stellt feste Strukturen in  Frage, legt Wert auf die persönliche Ausgestaltung eines Freiheitsbegriffes, der sich herausnimmt, Bestehendes zu verändern. Dass das manchmal etwas „linkisch“ wirkt, unordentlich oder sogar „link“, liegt in der Natur eines Experiments, das noch nicht auf festen Beinen steht: So wie der Jugendliche, der erst seinen Standpunkt der Welt gegenüber finden muss.

Wenn die Linke sich dann anschickt, ein Sozial- oder Staatsgebilde zu organisieren, ist sie in einem großen Dilemma. Wie soll sie das ohne einen Rückgriff auf „Rechts“ bewerkstelligen? Katastrophale Beispiele bietet uns das 20.Jahrhundert mit seinen bürokratischen Diktaturen, wie wir sie in der Sowjetunion, in China und in den vielen Ablegern beobachten oder erleiden mussten. Der andere konsequente Weg für die Linke führt in die Anarchie. Während der bolschewistischen Revolution in Russland stritten die führenden Persönlichkeiten, Bakunin, Trotzki, Lenin und andere, genau darum. Solidarität mit den entrechteten und benachteiligten Klassen oder der Vision eines anarchistischen Freiheitsbegriffes folgen? Einen straff und gewaltsam regierten revolutionären Staat führen, oder die Befreiten wirklich in die Freiheit entlassen?

Beide Parteien, die Linken und die Rechten, können sich äußerlich zur Spiritualität oder einer Religion bekennen. Oder sie fühlen sich in keiner Weise religiös oder spirituell. Das aber ist nur eine Äußerlichkeit und spielt für das Grundempfinden und die tief verwurzelten Verhaltensmuster keine Rolle.

Jetzt kann es uns anschaulich werden, dass jeder der beiden Pole ohne den anderen undenkbar ist. Ja,sogar unmöglich ist es, ohne den Gegenpol zu leben, so wie ein Leben auf der Erde nur für Männer oder nur für Frauen ebenso eine Unmöglichkeit ist. Wir können nun spüren, dass wir eine Aufgabe haben: Nämlich in uns selbst beide einseitigen Tendenzen zu vereinen. Sonst sind wir nicht nur in der Welt der Politik verloren, sondern auch im Liebesleben. Alles, was wir in uns selbst nicht integrieren können, fordert uns zur Liebe und Toleranz auf, sodass wir zumindest von außen das polare Gegenstück respektieren und dann eventuell sogar aufnehmen können.

Wir können die Unterschiede nicht wegreden. Wir können aber eine Kultur des Interesses und des Verstehens pflegen, die uns zu einem Frieden jenseits der Ideologien führen wird.

hellunddunkel

IV:  Eine persönliche Schlussfolgerung

Nun fragen wir uns persönlich, wo wir stehen. Wir erleben uns in einem Dilemma. Wir wissen inzwischen, dass beide Ansichten gleichermaßen berechtigt sind, indem sie uns zeigen, dass jede Medaille zwei Seiten hat, die nicht voneinander zu trennen sind. Denn wir Menschen können fliegen und verwurzelt sein. Wir können sowohl aufbrechen in völlig neue Welten, wie auch uns der Wurzeln unserer Herkunft, unserer Ahnen und unseres Volkes besinnen. Gleichermaßen.

Ich plädiere für ein genaues Hinschauen eines jeden Einzelnen. Was will ich wirklich? Wohin soll die Reise der Menschheit gehen? Und: Welche ideologischen Reste habe ich noch in mir und wie kann ich zu einem freien Verständnis der gegenwärtigen Bedürfnisse der Menschen kommen und durch meine Kreativität dazu beitragen, ihnen zu antworten?

Denn dass irgend eine Form von Lagerdenken keinen Frieden schaffen kann, das ist einleuchtend. Dennoch müssen wir uns wehren gegen machtpolitische Anmaßungen, gegen die Beraubung unserer Freiheit und Gesundheit, gegen Unrecht, das Anderen geschieht. Manche sagen: „Wehr dich nicht, denn dadurch gehst du ja in Resonanz mit jenen, die du ablehnst und machst dich zu ihrem Opfer.“ Gut gesagt, aber leider völlig unrealistisch. Realistisch scheint mir, mich mit meinen Gegnern auseinanderzusetzen und mich als Teil der Gemeinschaft der Menschen zu bekennen. Zu jemandem Nein zu sagen und „Ich geh nicht mit dir!“ schließt nicht aus, dass ich Verständnis für diesen Menschen aufbringen kann, ihn als Spiegel für mein Inneres anerkenne und ihn sogar lieben kann (wenn die äußeren Umstände mir die Gelegenheit dazu geben).

Das wahre Leben bringt mich mit Menschen aller Coleur zusammen, mit liebevollen und gehässigen, mit angenehmen und unangenehmen. Meine Absicht ist es, mit jedem, der an mir so oder so interessiert ist, von Ich zu Du eine starke Begegnung  zuzulassen. Ich nehme meinen Platz ein, ich weiche nicht. Du auch nicht? Gut. Jetzt können wir uns anschauen, spüren. Jetzt haben wir die Chance, ineinander zu gehen. Da passiert es. Wir spüren unsere höhere Verbindung. In der Sexualität nennen wir das: Verschmelzung. In der religiösen Terminologie heißt das: In Gott sind wir eins. Im normalen Leben unserer täglichen Begegnungen können wir sagen: Wir haben eine tolle gemeinsame Erfahrung gemacht. Ja, darum geht es.

Konkret: Steht mir ein linker „Antirassist“, ein sogenannter „Gutmensch“ gegenüber, oder ein „Nazi“, oder meinetwegen ein „islamistischer Fanatiker“, werde ich nicht sagen: Hau ab, ich will nichts von dir hören. Und ich werd auch nicht gleich die Polizei rufen. Ich werde ihm zuhören, ihm Fragen stellen. Ich will sehen, was wir miteinander zu tun haben. Gibt es etwas, wo du und ich uns treffen? Ist meine Sehnsucht wirklich so anders als deine? Und sollten wir auch nur einen Moment einer echten Begegnung haben, so war es das wert.

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