Ein facebook-Freund hat einen interessanten Text von Andersmensch auf facebook gepostet. Es geht um die Hybris des Menschen und die Nicht-Wahrnehmung des Christus.

Ich habe darauf geantwortet:

Andersmensch:

Die größte und älteste Lüge der Menschheit, der Urgrund für alles Leid der Seele, ist die Lüge, der Mensch könne sein eigener Gott werden.

Franz:

Das ist der erste Irrtum in diesem Text. Es ist keine Lüge, dass der Mensch sein eigener Gott werden kann. Luzifer hat das Mandat bekommen, die Erfahrung selbstbewusster Göttlichkeit in den Menschen zu pflanzen. Dass dadurch Leid in die Menschenseele geraten ist, das stimmt. Der Mensch kann seither sich selbst enormes Leid zufügen, aber er kann nur dadurch auch seine große Freiheit gewinnen. Auch dass der Mensch zwischen Gut und Böse unterscheiden lernen soll, gehört zu dieser Erfahrung. Das entnehme ich aus der Paradiesesgeschichte und der Vertreibung aus dem Paradies.

Dieses unheilige Paradigma, diese psychische Entartung, greift so weit um sich, dass wir in einem Zeitalter voller Narzissten, Egozentriker und Soziopathen leben, die von noch größeren Narzissten, Egozentrikern und Soziopathen in einen Abgrund der Seelenlosigkeit gesteuert werden. Ich-Bezogenheit, Selbsterhöhung, Egoismus und Ignoranz, sowie die Abwesenheit von Ethik und Selbstreflexion sind die Früchte des Baumes, von dem die Welt sich derzeit nährt.

Ja, Andersmensch, was du hier und im Folgenden beschreibst, ist genau die eine Seite der Medaille. Mit deiner ausschließlich negativen Beschreibung begibst du dich allerdings in eine Verurteilung des göttlichen Aktes, dem Menschen Freiheit zuzugestehen: Die Freiheit, enormes Leid auf sich zu laden oder seine Göttlichkeit zu verwirklichen.


Die „Generation Head Down“ mit ihrer „Me, Myself and I“-Attitüde, die sich pausenlos selbst feiert und füttern lässt mit Slogans wie „Liebe dich selbst!“, „Du bist der Schöpfer deiner Realität!“, „Es gibt kein Richtig oder Falsch!“, „Du darfst tun, was du willst!“, „Das Überleben des Stärkeren!“, „Der Erleuchtung ist es gleich, wie du sie erlangst!“, ist nahezu vollends erblindet und im Herzen tot. Da werden Transgender-Götzen, Drogensüchtige und Kriminelle aus Hollywood und der Musikbranche angebetet und imitiert, während Psychopathen ihre Muppets Show mit Politdarstellern orchestrieren, deren erklärtes Ziel die vollkommene Zerstörung des Planeten samt der darauf lebenden Biomasse zu sein scheint.

Es wird weiterhin die eigene Gottgleichheit proklamiert, ohne dass jemals einer den Beweis dafür antritt.

Du sagst: Gottgleichheit, oder meinst du potenzielle Göttlichkeit? Wenn Gott alles ist, also das große Ganze, dann kann kein Mensch mit Verstand so vermessen sein zu glauben, er hätte als Einzelwesen das Ganze im Blick, könnte das ganze Schicksal der Erde und des Kosmos tragen und verantworten. Menschen, die so etwas glauben, kenne ich nicht. Sie wären tatsächlich komplett geisteskrank.

Stattdessen boomt der Absatz von Psychopharmaka und die Selbstmordraten steigen, Kinder im Vorschulalter werden in künstliche Gender-Krisen gesteuert und wissen nicht mehr, ob sie Junge oder Mädchen sein möchten. Die Welt wandelt sich zu einem Zombieland, bevölkert von ferngesteuerten, gehirngewaschenen Biorobotern, die ihr eigenes Drama mit einem Selfie auf Instagram verkaufen. Männer, die wie Frauen sind, und Frauen, die Männer sein möchten, Kinder, die ihre Eltern nach Stundenplan sehen und ihre brennenden Fragen über das Leben vom Google-Gott beantworten lassen – das alles hält man für natürlich. Das alles wird in der eigenen Blase aus Ignoranz und Arroganz ausgeblendet, denn es zählt nur die Befriedigung und Befeuerung des eigenen Bedürfnisses.

Das, mein Freund, ist die Welt des großen Blenders. Und mit jedem Gedanken an deine eigene Göttlichkeit unterzeichnest du eine weitere Klausel im Vertrag um deine Seele. Mit jedem Gedanken an deine eigene Gottgleichheit mauerst du einen Ziegelstein in sein Königreich, dessen Preis der Friede deiner Seele ist. Deine tiefe innere Leere, deine Hoffnungslosigkeit, deine Ratlosigkeit, deine Verzweiflung, deine Einsamkeit, deine Getriebenheit, deine Gier, deine Schadenfreude, deine Ängste und dein Hass, die Lieblosigkeit und die Kälte, die dich umgibt und durchdringt – das alles sind Früchte deines Glaubens daran, der Mensch könne sein eigener Gott werden.

Nein, das von dir Beschriebene sind nicht die Früchte des Glaubens, der Mensch könnte sein eigener Gott werden. Denn er ist sein eigener Gott, zumindest potenziell. Er kann es werden. Das von dir mit Recht Bedauerte und tief Tragische ist der Tatsache geschuldet, dass der Mensch eben nicht bereit ist, seine Chance, seine Freiheit und seine Verantwortung zu ergreifen und zu verstehen, dass er sein eigenes Schicksal schmiedet. Die Ursache des Leidens ist die immense Ignoranz über die Tatsachen des Lebens.

Und die Frage, die sich hierbei aufdrängt, ist jene: Welcher Teil von „ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. KEINER kommt zum Vater, denn durch mich!“ ist so schwer zu verstehen?

Hier sind wir beim zentralen Dogma angelangt. Hier spalten sich die Christen seit jeher von allen anderen Menschen dieser Erde ab. Sie glauben, dass man nur durch Jesus Christus zu Gott gelangen kann. Und diese mystischen Worte aus der Bibel könnte man tatsächlich so auslegen. Ich habe allerdings ein völlig anderes Verständnis davon.

Wir wissen tatsächlich nicht, ob der historische Jesus diese Worte über sich selbst so ausgesprochen hat, oder ob sie ihm durch die Evangelienschreiber so in den Mund gelegt wurden. Aber selbst das ist zweitrangig. Denn ich erkenne in dieser mystischen Formel eine geistige Tatsache. Lass es mich mal so ausdrücken:

ICH BIN die göttliche Seele im Menschen. Die Erfahrung ICH BIN, diese Erfahrung ist das Göttliche im Menschen. Es gab einen vor 2000 Jahren, der dieses ICH BIN erfahren und gelebt hat. Er hat es vielleicht so oder ähnlich ausgesprochen. Vielleicht hat er es Gotteskindschaft genannt, oder: ICH BIN der Sohn meines göttlichen Vaters. Ich und der Vater sind eins. Vielleicht hat er seine Gottgleichheit erlebt. Nicht die Gleichheit im Sinn von: Ich bin allwissend, oder allliebend, oder allmächtig. Das geht nicht.

Jesus war und ist nicht er einzige Mensch, der dies ausgesprochen hat oder aussprechen könnte. Vielleicht geht es aber gar nicht um den Jesus, vielleicht geht es um den CHRISTUS. Um jenen göttlichen, freiheitsliebenden, hingebungsvollen, kühnen, demütigen Geist in uns, mit dem der Mensch Jesus sich verbunden fühlte. Soll er nicht zu den Menschen gesagt haben: „Ihr werdet noch größere Dinge vollbringen als ich“? „Ich gehe euch voraus“. Auch ein Bergführer hat seinen Geführten eine Erfahrung voraus. „Ihr seid Fleisch von meinem Fleisch“ und viele andere ähnliche Aussagen finden wir.

ICH BIN der Weg. Wer das ICH BIN erlebt, hat keinen Zwefel mehr über seinen Weg. Das ICH BIN ist die treibende Kraft des Gehens auf dem eigenen Schicksalsweg. Und die treibende Kraft auf dem Weg zur allumfassenden Göttlichkeit. ICH BIN die Wahrheit. Das ICH BIN ist die tiefste Wahrheit im Menschen. Es ist seine individuelle Gottheit und es ist ein Teil der allumfassenden Gottheit. ICH BIN das Leben. Dieser Teil ist für mich tatsächlich der unbegreiflichste. Er kann aus meinem Verständnis vielleicht das bedeuten: Ich fühle mich so eins mit dem Leben, dass ich keine Trennnung empfinde. Keine Trennung zu anderen Lebewesen, keine Trennung als ICH und DU. Vielleicht.

Niemand gelangt zum Vater denn durch MICH.“ Das ist am einfachsten zu verstehen für mich. Denn nur wenn das ICH BIN mich völlig durchdringt, kann ich das DU (den Großen Gott) als untrennbar mit mir verbunden erleben. Wir bleiben trotzdem ZWEI, du und ich. Im Tanz, in der Umarmung, in der Liebesekstase. Das ZWEI in EINS könnte das Mysterium der Liebe sein.


Und welcher Geist treibt den Menschen, der lieber in Selbsterhöhung und Arroganz mit dem Teufel und seinen falschen Göttern über die Klippe stürzt, statt vor dem Christus in die Knie zu gehen, ihn um Vergebung zu bitten, sich auf die Wahrheit zu besinnen und auf seine Führung und seine Allmacht zu vertrauen?

Gut, einverstanden. Manchmal muss man auch auf die Knie gehen vor dem Geliebten. Um Vergebung bitten nimmt dem Menschen nicht seine Würde und Größe. Genau so wenig wie Demut. Und meine Kraft und meine Stärke machen mich nicht blöd und überheblich. Meine Gottnatur macht mich nicht zum Teufel und auch nicht zum Bruder der Lüge.

Übrigens: Christus hat nicht die Allmacht. Er ist nicht der Herrscher der Welt. Eher: Der Geliebte der Erdenmenschen. Für Männer auch: Die Geliebte.


Welch Wahnsinn ist es, eine Lüge zur Wahrheit und die Wahrheit zur Lüge zu erheben?
Und wie krank muss eine Seele sein, wenn sie jene, welche dieses Upside-Down-Paradigma erkennen und aufzeigen, als den Feind betrachtet?

  • Das, lieber Bruder, liebe Schwester, sollten Fragen sein, die dich den lieben langen Tag beschäftigen, nicht die Frage, wie du die Kohle für das neue Smartphone oder die Botox-Lippen heranschaffen kannst. Du solltest beten um Klarheit. Du solltest beten, aus deiner Hölle erwachen zu dürfen. Du solltest neugeboren, wach und bereit sein für den Tag, der kommt. Zuvor aber musst du erkennen: All dein inneres Leid kommt aus der Lüge, die still in dir flüstert. Die älteste Lüge aller Zeiten, die da lautet: Der Mensch kann sein eigener Gott sein.

Womit wir wieder beim Anfangsirrtum deiner Betrachtung angelangt wären.